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„Realität statt Romantik: Unser Weg im Auslandstierschutz“

Wir von Life4Pets e.V. begannen 2019 mit dem Ziel, das Leben von Hunden in Rumänien nachhaltig zu verbessern.
Was als engagiertes Tierschutzprojekt startete, entwickelte sich über die Jahre zu einer bitteren Erkenntnis:
Gute Absichten allein reichen nicht, wenn man auf ein System trifft, das von Korruption, Gleichgültigkeit und Missbrauch durchzogen ist.

Wir haben Hunde aus Tötungen geholt, Kastrationsaktionen durchgeführt und uns auch um schwer vermittelbare Tiere gekümmert – mit dem Wunsch, tatsächlich etwas zu verändern.

Heute wissen wir: Wir haben nicht nur geholfen. Wir wurden auch benutzt.
Und diese Erfahrung teilen wir offen – für die Tiere, für die Wahrheit, und für alle, die glauben, Tierschutz sei einfach.

Und auch in Deutschland läuft nicht alles so, wie es sollte.

Was uns in den letzten Jahren genauso erschüttert hat wie das System vor Ort, war das Verhalten vieler deutscher Tierschützer untereinander.
Da wird schlecht gemacht, gelästert, sich in den Vordergrund gespielt – als ginge es um Reichweite, Spenden oder persönliche Profilierung statt um Tiere.

Jeder glaubt, den einzig wahren Weg gefunden zu haben. Dabei sollte doch jeder für sich selbst entscheiden dürfen, was für ihn Tierschutz bedeutet.
Hauptsache ist doch: Man hilft.

Und ja – man macht Fehler. Wir alle. Wir haben es selbst erlebt, gesehen, gespürt.
Fehler sind nicht schlimm. Im Gegenteil: Man wächst daran. Was auffällt:
Die, die wirklich gute Arbeit machen, haben sich nie negativ über uns geäußert.
Kritik kam fast ausschließlich von denen, die sich selbst viel zu wichtig nehmen – laut, fordernd, besserwisserisch.
Aber natürlich gibt es auch echte Arschlöcher. Die findet man leider überall – auch im Tierschutz.

Wir haben gelernt: Man muss nicht mit jedem zusammenarbeiten. Man muss nicht alles schlucken.
Und man darf auch mal laut sagen, wenn etwas nicht stimmt.

Tierschutz in Rumänien – eine bittere Bilanz

Was als Herzensprojekt begann, wurde zur ernüchternden Lektion. Als wir mit unserer Arbeit in Rumänien begannen, waren wir idealistisch – und, ja, auch naiv. Wir glaubten wirklich, wir könnten etwas bewegen. Dass Ehrlichkeit, Transparenz und Herz ausreichen würden, um das Leben von Tieren zu verbessern. Was wir nicht wussten: In einem System, das sich fest im Griff der Korruption befindet, hat echter Tierschutz kaum eine Chance.

Natürlich haben auch wir Hunde aus Tötungen gerettet – wenn Paten sich fanden, die die Versorgung übernahmen. Auch wir haben zugestimmt, Welpen aufzunehmen. Was wir jedoch nie getan haben: Mit Elendsbildern um Spenden gebettelt. Keine trächtigen Hündinnen auf Betonböden, keine dramatischen Musikvideos, keine Mitleidsschleudern. Wir haben es mit Würde versucht – mit schönen Bildern, mit Hoffnung. Es war nicht besonders erfolgreich.

Und selbst als die Hunde dann in unseren Sheltern oder auf Pflegestellen waren, wurde es nicht leichter. Es war mühsam, gute Fotos zu bekommen. Kaum verwertbare Informationen. Und es war fast unmöglich, geeignete Zuhause zu finden, wenn man keine herzzerreißenden Geschichten dazudichtete.

Gleichzeitig florierten andere. Die rumänischen „Retter“ sammelten weiter Hunde ein, präsentierten sie als gerettet, generierten Mitleid – und damit Geld. Manche Tiere waren angeblich kastriert – und standen plötzlich trächtig im Zwinger. Andere wurden nie operiert, obwohl alles bezahlt war. Keine Zeit, keine Lust – aber immer Zeit, den nächsten Hund „zu retten“.

Wir haben Hunderttausende Euro investiert. Neue Zwingeranlagen, Freiläufe, Futter, medizinische Versorgung. Doch vor Ort kümmerte man sich oft nur minimal – zwei Stunden täglich für 1.500 Euro im Monat. Der Rest: sich selbst überlassen. Die Hunde zerstörten aus Frust die Einrichtungen. Und ohne neue Spenden – kein Wiederaufbau.

Viele von den Sachspenden wurde nicht sachgerecht verwendet. Futter, das vergammelte. Sachspenden, die irgendwo verschimmelten. Hunde, die unbehandelt blieben. Und in besonders bitteren Fällen: tote oder sogar verbrannte Hunde auf rumänischen Pflegestellen. Einfach entsorgt. Als wären sie nichts.

Und während wir versuchten, sachlich zu bleiben, wurden wir ausgerechnet von denen angegriffen, die sich selbst gern als Tierschutzgötter inszenieren. Menschen, die nach außen Haltung zeigen, aber im Hintergrund mit falschen Angaben Hunde vermitteln. Hunde, über die man kaum etwas weiß – aber trotzdem bedenkenlos weiterschickt.

Die Kategorie der Charakterbeschreibung?
– Sehr freundlich
– Freundlich
– Und nicht so freundlich.

Das war’s dann oft auch schon. Als ob man damit ein Lebewesen einordnen könnte. Aber vielleicht liegt das Problem nicht bei den Hunden – sondern bei denjenigen, die sie einschätzen sollen. Viele rumänische „Tierschützer“ verbringen zu wenig Zeit mit den Tieren, um wirklich etwas über sie sagen zu können. Und das Ergebnis erleben wir hier in Deutschland: Hunde, die als “superfreundlich” angekündigt wurden – aber bei Ankunft völlig überfordert, unsicher oder gar aggressiv sind.

Nicht umsonst verlangen wir, dass jeder Adoptant persönlich zu uns kommt, um seinen Hund kennenzulernen. Weil Vermittlung eben kein Glücksspiel sein sollte. Was passiert denn, wenn es nicht passt? Wenn der ach so freundliche Hund panisch reagiert oder der Alltag mit ihm nicht funktioniert? Dann wird schnell getauscht, abgeschoben – oder schlimmer. Und der Hund? Verliert wieder.

Als wir schließlich am Ende waren – finanziell, emotional, menschlich – kam keine Hilfe. Stattdessen: Beleidigungen, Verleumdungen, wilde Gerüchte. Ausgerechnet von Menschen in Deutschland, die nie vor Ort waren, aber sich sicher waren, alles besser zu wissen.

Wenn jemand tatsächlich glaubt, dass es uns leicht gefallen ist, die Hunde in Rumänien zurückzulassen, dann tut er uns leid. Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht darüber sprechen, was wir hätten anders oder besser machen sollen. Aber ohne Geld lässt sich kein Futter kaufen. Und ohne Geld arbeitet fast kein Rumäne im Tierschutz. Was also hätten wir tun sollen?

Wir wissen: Es geht nicht nur uns so. Viele andere Vereine haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Sie geben auf, weil ihnen die Kraft und Mittel ausgehen – nicht weil ihnen das Herz fehlt.

Und trotzdem haben wir es geschafft, rund 700 Hunden ein Zuhause zu geben. Jeder einzelne war es wert. Viele dieser Tiere leben heute in Familien – sicher, versorgt und geliebt. Und auch heute noch kümmern wir uns in Deutschland um Hunde, die wir pflegen, begleiten und für die wir ein Zuhause suchen. Weil Wegschauen für uns nie eine Option war – und es auch nie sein wird.

Wir wissen sehr genau, dass auch wir viele Fehler gemacht haben. Und wir bereuen nichts mehr, als diesen Weg überhaupt gegangen zu sein.
Wir dachten, wir könnten die Welt verändern – für die Hunde.
Aber letztlich haben wir nur den Status quo einiger Rumänen für ein paar Jahre verbessert. Auf unsere Kosten. Auf dem Rücken der Tiere.

Wir wollten helfen. Aber wir mussten erleben, wie ein System, das aus Leid Profit schlägt, alles niederwalzt, was nicht ins Bild passt.
Es gibt ehrliche Tierschützer – aber sie kämpfen gegen Windmühlen, während andere vom Elend leben.

Wir geben für die Hunde hier in Deutschland nicht auf. Aber wir machen uns keine Illusionen mehr.

Zusatzabschnitt: Paten-Tourismus

Und dann gibt es noch ein ganz eigenes Kapitel: den Paten-Tourismus. Menschen, die sich engagiert zeigen, die mit emotionalen Kommentaren Hunde „retten“ – für einen Monat, vielleicht zwei. Dann bricht der Kontakt ab. Die Zahlungen bleiben aus. Der Hund? Vergessen. Dafür wartet schon der nächste Notfall – bei einem anderen Verein, mit einem anderen traurigen Bild.

Diese Paten springen von Projekt zu Projekt, ohne zu sehen (oder sehen zu wollen), was sie hinterlassen: Tiere, deren Versorgung nicht mehr gesichert ist. Strukturen, die einstürzen, weil man sich auf Hilfe verlassen hat, die plötzlich nicht mehr da ist. Für uns hieß das oft: Schulden machen, um den Hund weiter zu versorgen, den eigentlich jemand anderes retten wollte.

Tierschutz ist keine Abonnementsache. Es geht um Verantwortung – nicht um das gute Gefühl, kurzfristig “etwas getan zu haben”. Und trotzdem begegnet uns dieses Verhalten immer wieder. Auch deshalb mussten wir irgendwann sagen: So geht es nicht weiter.

ab 5 € monatlich

kannst Du unsere Tiere vor Ort unterstützen. Das sind die Kosten für Futter, Wasser und Unterbringung in sauberer Umgebung.

Rettungspatenschaft

Die Übernahme einer Rettungspatenschaft sichert die Erstversorgung: Gesundheits-Check, Entwurmen, Chippen und Impfen.